7stanes Teil 1

Kirroughtree

7stanes – Kirroughtree

Wer als deutscher Mountainbiker zum ersten Mal nach Kirroughtree kommt, um hier mit ausdrücklicher Einladung und Genehmigung der schottischen Forstbehörde biken zu gehen, wird aus dem Staunen so schnell nicht herauskommen.

Es ist nicht nur so, dass man wie immer eine gute Beschilderung und einen großen Parkplatz vorfindet, sondern diesmal auch ein Besucherzentrum de luxe, das ein Café mit schönem Außenbereich auf einer großen Terrasse bereit hält, dazu einen interessanten Informationsbereich zum Thema Galloway Forest Park und für Mountainbiker speziell einen großen Bike-Shop mit Bikes, Leih-Bikes und Ausrüstung sowie Duschen und Umkleiden anbietet. Alles hochmodern, sehr ansprechend und übersichtlich, so dass man sich schnell zurechtfindet.

Das Streckenangebot ist hier sehr groß – alle Strecken beginnen direkt hinter dem Besucherzentrum. Man sucht sich also eine Strecke aus, die man fahren möchte, wobei die ausgeschilderten Trails für Mountainbiker nicht beinhalten, dass man nicht auch andere Strecken im Galloway Forrest befahren dürfte. Verbote gibt es nicht, höchstens erinnern einen manche Holzgatter an den Eingängen der Wege einen daran, dass man sich auf einem Wanderweg befindet. Die Wanderer stört das jedoch nicht, im Gegenteil, man macht sich wieder einmal höflich Platz und oft finden gerade ältere Leute die überall im Wald herumsausenden Mountainbiker auf den extrem kurvigen Strecken interessant und schauen einem beim Fahren zu.

Jetzt aber zu den Strecken selbst. Wie überall in Schottland wird nicht nach Singletrail-Skala, sondern nach Schwierigkeit von grün (einfach), blau (fortgeschritten), rot (schwierig) und schwarz (sehr schwierig) unterschieden. Dabei wäre grün S0, blau S1-2, rot S2-S3 und schwarz S3. Wie in fast allen Trail-Centern muss man sich die Abfahrten selbst verdienen, Lift oder Shuttle gibt es nicht.

Die Trails in Kirroughtree haben einen sehr hohen Singletrail-Anteil, führen durch eher hügliges und bewaldetes Gelände und sind dabei extrem verkurvt und eng angelegt, was eine ausdrückliche Charakteristik dieses Trail-Centers darstellt. Dabei fährt man eigentlich die ganze Zeit mal bergauf, dann wieder bergab, wobei auch im Uphill interessante Singletrails befahren werden. Obwohl sich die Höhenmeter insgesamt in Grenzen halten, ist man nach 20 Kilometern Kirroughtree-Trails meist schon ganz gut geschafft, weil die verkurvte Streckenführung und die vielen kleinen technischen Besonderheiten einen bergauf wie bergab ganz schön fordern.

Während die blauen Strecken noch eher flowig sind und einen größeren Anteil Forstweg aufweisen, geht es auf den roten Strecken schon ziemlich technisch zur Sache. Enge Serpentinen bergauf, längere Sektionen, die nur aus Steinfeldern bestehen, Felsformationen im Uphill, über die man nur mit angehobenem Vorderrad hinübergelangt – die Briten oder die Schotten, oder wahrscheinlich beide 😉 mögen es technisch.

Wer die berühmten schwarzen Strecken von Kirroughtree fahren möchte – was ich natürlich auch noch vorhabe – fährt erst einmal eine Zeit lang die roten oder blauen Strecken und gelangt dann auf die Granitformationen, für die das Trail-Center so bekannt ist (siehe untenstehenden Nachtrag zur Black Craigs Strecke).

Wer nicht die offiziellen Strecken fahren möchte; es gibt natürlich auch jede Menge Trails im großen Galloway Forest, die nicht ausgeschildert sind. Immerhin habe ich heute innerhalb von zwei Stunden Fahrtzeit neben den offiziellen Strecken zwei schöne Trails mit Waldboden und eine kurze aber knackige DH-Strecke mit einer ziemlich haarigen Steilabfahrt gefunden.

Übrigens: die Trails hier sind streng genommen alles Einbahnstraßen. Die ausgewiesenen Strecken sowieso, aber auch die hidden spots der Einheimischen werden hier offenbar streng nach Plan und in einer bestimmten Richtung gefahren. Ich habe es gleich am ersten Tag geschafft, einen örtlichen Enduristen völlig aus der Fassung zu bringen, weil wir uns dreimal begegnet sind, wo er offenbar noch nie zuvor Leuten begegnet war. Nun ja…wenn ich ihn nochmals sehen sollte, lade ich ihn zur Entschuldigung auf ein Glas Red Ale ein…;-)

Kirroughtree, black track – I wish I were MacAskill 😉

Diese Strecke, auch Black Craigs Track genannt, ist Kirroughtrees besonderes Aushängeschild und lohnt auch eine weitere Anfahrt, wenn man nicht das Glück hat, in der Nähe zu wohnen. Vom Besucherzentrum aus fährt man allerdings erst einmal ziemlich lange die rote Strecke The Twister, bis man weiter hinten im Tal die ersten Hinweise auf die Black Craig findet.

Alternativ kann man aber auch die einzige Straße von Newton Stewart nach New Galloway, die mitten durch den Nationalpark führt, nutzen, bis man zu einem merkwürdig geformten, hohen Hügel gelangt, auf dem sich ein Obelisk befindet. Dort kann man parken und direkt in die schwarze Strecke einsteigen, die an der Stelle die Straße passiert. Dabei muss man sich nur an die vorgegebene Richtung halten – man fährt die Runde gegen den Uhrzeigersinn.

Der Black Craig Track ist ein echter Enduro-Trail – stellenweise sehr technisch, sehr fordernd bergauf wie bergab und vor allem – er enthält extrem lange und sehr enge Singletrails. Hier ist die ganze Zeit über Konzentration gefragt – und daher ist der Track auch zu Recht unter „sehr schwierig” eingestuft, obwohl die technischen Anforderungen sich im Ganzen eher auf S2-Niveau bewegen.

Zunächst führt die Strecke über bewaldete Hänge, später öffnet sich die Landschaft und man hat den Eindruck, durch einen gewaltigen Canyon zu fahren. Hier, am äußersten Endpunkt der Strecke, bevor es wieder zum Taleingang zurückgeht, befindet sich ein absolutes Highlight des Tracks: die grauen, riesenhaft anmutenden Granitfelsen, genannt McMoabs über der Schlucht zum Palnure Burn Fluss.

Die Beschilderung zeigt ganz unzweifelhaft auf die grauen Steinkolosse, und wenn man dieser Einladung folgt (man könnte auch drum herumfahren, aber dann bringt man sich wirklich um einen großen Spaß) findet man sich dabei, kleinen blauen Pfeilen folgend, sich mit dem Bike von Stein zu Stein vorzuarbeiten, denn hier ist ein Gespür für fahrbare Lines und sehr gute Balance gefragt.

Wer Trialtechniken kann, ist hier klar im Vorteil. Trotz allem – oftmals ist mehr fahrbar, als man denkt oder auf den ersten Blick sieht. Zum Schluss darf gewählt werden, ob es nahezu senkrecht auf einer Steilabfahrt über puren Fels ein paar Meter in die Tiefe geht – oder ob man den bequemeren Ausstieg über die Felsen links davon wählt.

hier geht es wirklich senkrecht runter!

Wie auch immer man sich entscheidet – die McMoabs entlassen einem aus ihrem Steinspielplatz mit einem breiten Dauergrinsen und verhelfen zu der Erkenntnis, dass auch Tracks on the rocks wirklich spaßig zu fahren sein können. Und übrigens, danach fährt man eine Zeitlang wirklich erst einmal alles, auch das, was man vorher vielleicht nicht unbedingt gefahren wäre…;-)

Ae

7stanes – Ae

Das Trail-Center liegt etwas nördlich von der Stadt Dumfries in einem kleinen bewaldeten Tal, das von dem „Water of Ae” durchflossen wird. Irgendwie erinnert die Landschaft teilweise ein wenig ans Voralpenland – nur die schwarzen Galloway-Rinder auf den Weiden sind natürlich eindeutig schottischer Herkunft.

Das Besucherzentrum ist zwar klein – aber es ist alles da, was Mountainbiker benötigen: ein kleines Café, ein Bike-Shop mit Werkstatt und Bike-Verleih, saubere Toiletten und Duschen – die Trails starten alle von dort aus und führen ins Tal hinein.

Der Wald von Ae ist sehr ursprünglich, große Greifvögel kann man dort gut beobachten und die Trails sind sehr geschickt angelegt und führen durch die schönsten Bereiche hindurch.

Die blaue Strecke ist recht einfach zu fahren, landschaftlich aber wunderschön und lohnt sich auf jeden Fall. Vor allem die Rückfahrt, am Fluss entlang über diverse Holzbrücken, macht richtig Spaß und ist landschaftlich sehr beeindruckend.

Die rote Strecke enthält mehrere interessante Singletrails bergauf und bergab, durch die man schöne Ausblicke über das Tal erhält. Teils wurden Strecken neu angelegt und sind etwas einfacher als erwartet, teils wurde aber auch auf bestehende Trails mit steinigem und technischem Charakter zurückgegriffen.

Zuletzt kann man wählen, ob man über die ausgewiesene Downhillstrecke den Weg zurück zum Besucherzentrum nimmt oder weiter den „roten” Trail mit verschiedenen Varianten abfährt. Beide Strecken machen gehörigen Spaß und bieten auch genug Möglichkeiten für Sprünge und ausreichend Airtime, wenn man mag.

Sehr zu empfehlen, gerade auch, wenn man mit dem Enduro unterwegs ist.

 

7stanes Teil 2

zurück