Fort William 03. Juni 2016

UCI MTB World Cup Fort William 03.06.2016

Der erste offizielle Tag des UCI Downhill World Cups geht gerade zu Ende und ich kann euch sagen, dass es ein verdammt genialer Tag mit ziemlich irren Eindrücken war. Bei bestem schottischem Wetter (sunshine all day over!) und in ziemlich erwartungsvoller Stimmung sind wir heute um ca. 12 Uhr auf dem Gelände angekommen, haben das gesamte freie Training der bestem Fahrer im Downhill miterlebt sowie einen guten Eindruck von der Expo und der Tech-Area bekommen – und wir sind total begeistert von der guten Stimmung auf dem Event und den Spitzenleistungen der Fahrer.

Der World Cup ist sehr gut organisiert – man kommt als Zuschauer immer nah genug an die Strecke, um tolle Fotos zu machen und einen guten Eindruck von den einzelnen Fahrern zu bekommen. Die Streckenposten waren die ganze Zeit über super freundlich und hilfsbereit und es gab ausreichend Crossing-Points, um auf die jeweils andere Seite der Strecke zu gelangen.

Die Strecke selbst ist der (steingewordene) Traum eines Downhill-Racers:

Der erste Teil besteht aus einer steinigen Piste oberhalb der Baumgrenze, die mit extrem steilen Felssektionen, engen Kurven und Steinfeldern nur so gespickt ist. Das mittlere Stück verläuft extrem technisch durch den Wald und enthält ziemlich fiese Wurzelabschnitte, und das letzte und untere Stück kann rasant schnell gefahren werden und bietet irre hohe Sprünge, auf denen die Fahrer nochmals alles zeigen können, was sie drauf haben, bevor sie dann in der relativ kleinen Zielzone unten ankommen.

Die besten 80 männlichen Fahrer und die Top 20 der Frauen hatten heute Nachmittag freies Training, wobei viele Fahrer sich ein zweites Mal hochshutteln ließen, um einen zweiten Trainingslauf zu machen. Somit haben wir sämtliche Spitzenfahrer, darunter Rachel Atherton und ihren Bruder Gee Atherton gesehen (sogar in zwei Runs) und auch Aaron Gwin ist unglaublich rasant an uns vorbeigeflogen, deutlich erkennbar an seinem YT-Teamoutfit und seinem beeindruckenden YT Tues.

Aaron Gwin

Die deutschen Fahrer Johannes Fischbach und Jasper Jauch rangierten leider in der Gesamtliste in den 90er Nummern, so dass sie zu dieser Zeit nicht mehr auf der Strecke zu sehen waren. Schade. Aber hoffentlich sehen wir sie noch und können sie dann frenetisch anfeuern…

Die Strecke ist übrigens derzeit extrem trocken, weil es die letzten sieben Tage so gut wie gar nicht geregnet hat. Bremsen sollte man also besser sehr überlegt und dosiert – und in der Tat hatten heute auch die Fahrer sichtbar Vorteile, die eine sehr saubere Kurventechnik hatten und ihre Geschwindigkeit gut kontrollieren konnten. Andere stürzten vor allem im Bereich der zahlreichen Steilkurven, wenn sie ihre Geschwindigkeit nicht schnell genug in den Griff bekamen.

Die Felssektionen und die Steinfelder weisen teilweise ein Schwierigkeitsniveau auf, das wirklich beeindruckend ist – zumal, wenn ein Profi wie Aaron Gwin eine solche Sektion im Race-Modus fährt. Es ist schon ziemlich unglaublich mit anzusehen, wie flüssig die Besten diese extrem brachialen und technischen Passagen bewältigen konnten und es zeigt sich auch an solchen Stellen ganz besonders, wie wenige Fahrer überhaupt eine Chance auf die besten Plätze haben.

Von den besten Fahrern, die heute Nachmittag zu sehen waren, haben die drei besten Frauen wirklich beeindruckende Leistungen gezeigt (Rachel Atherton, Tahnee Seagrave und Manon Carpenter) – es sah aber so aus, als ob Rachel Atherton ihre Konkurrentinnen doch ziemlich dominieren würde. Man wird morgen in der Qualifikation sehen, ob dem so ist.

Rachel Atherton

Von den männlichen Fahrern ist uns Danny Hart vom Mondraker Team extrem positiv aufgefallen, dann auch Gee Atherton (Trek) und natürlich Aaron Gwin (YT-Mob). Letzterer hat übrigens 30 Minuten für die Bewältigung seines einmaligen Trainingslaufs gebraucht und ist damit offiziell zurzeit Letzter des Classements. 😉 Wahrscheinlich wollte er sich nur nicht in die Karten schauen lassen, wie schnell er die Strecke morgen und im final run wirklich runterbrettern wird – jedenfalls scheint er in Bestform zu sein. Einer seiner härtesten Konkurrenten – Loic Bruni – ist ja bekanntlich aufgrund seines Schlüsselbeinbruchs zurzeit nicht einsatzfähig.

Übrigens, wenn man als Zuschauer ein Ticket gekauft hat, das zur Benutzung der Gondelbahn berechtigt, kommt man durchaus öfter in die Situation, zusammen mit einem oder mehreren Racern hochgeshuttelt zu werden, was schon ziemlich kurios sein kann.

Witzigerweise saßen wir gleich heute Mittag neben dem Briten Sam Dale, der 2015 einen Podiumsplatz beim World Cup in Lourdes erreicht hatte und quatschten ganz entspannt über die Strecke (er war sicherlich etwas weniger entspannt als wir ;-))) und stellten fest, dass Winterberg und Willingen bei ihm durchaus bekannte Orte waren. Den Bikepark in Winterberg fand er sogar richtig „nice”. Top!

Im Bereich der Talstation des Lifts befinden sich mittlerweile die komplett aufgebaute Tech Area und eine Expo mit Händlern, wobei beides ziemlich fließend ineinander übergeht.

Obwohl die großen Marken eigentlich alle vertreten sind, kann man nicht sagen, dass der Verkaufsaspekt des Events besonders hervorstechen würde – im Gegenteil bietet die den Zuschauern frei zugängliche Tech-Area die Gelegenheit, auch die bekannteren Fahrer mal beim Mittagessen oder Chillen zu sehen und vielleicht auch sogar mal direkt anzusprechen. Heute Mittag, als wir eine erste Runde übers Gelände machten, wurden gleich mal die Buffets für die Fahrer aufgebaut – meistens wurden Gels, Bananen und Mineralwasser gereicht, verständlicherweise.

Für die Zuschauer gab es ein sehr schönes Zelt mit vornehmlich Burger-Angeboten. So ein Venison-Burger, wie man ihn hier bekommt, oder ein Angus-Steak-Burger sind aber schon was ziemlich Feines und nicht mit normalem Fastfood zu vergleichen. Als Beilage gibt’s dazu Pommes – und mehr hatten die meisten Besucher auch gar nicht erwartet.

Immerhin wurden aber im Café an der Liftstation auch noch vegetarische Gerichte angeboten, und an einem Stand gab es Arancini, gefüllte und sehr leckere Reisbällchen. Also war was für ziemlich jeden dabei, wobei die Preise insgesamt sehr moderat ausfielen.

Die Atmosphäre auf dem Gelände war heute noch vergleichsweise ruhig, aber das wird sich die nächsten beiden Tage, vor allem am Sonntag mit den Finalrennen des World Cups, ändern. Fort William ist für seine geniale Stimmung bei den DH-Rennen bekannt und man konnte heute schon deutlich davon etwas spüren.

YT Mob (Aaron Gwin und Angel Suarez)

Ihr bekommt einen Eindruck vom ersten Tag, wenn Ihr auf die Fotoimpressionen unter nachfolgendem Link geht – alle Fotos kann ich nämlich beim besten Willen hier nicht einstellen. Viel Spaß beim Durchsehen! Und dann mal bis morgen!

Weitere Bilder

Eure Ruhrblick!

 

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