Fort William 04. Juni 2017

UCI MTB World Cup Fort William 04.06.2017

Fliegen Sie möglichst flach! Und bleiben Sie im Wald ja nicht mit dem Vorderrad in einer Mulde stecken….

Beide Ratschläge waren heute für die Teilnehmer der Finalruns bei den Junioren sowohl als auch bei den Elite Women und Men im UCI DH World Cup Gold wert… und gerade die Waldsektion hatte es wirklich in sich.

Diese mittlere technische Sektion unterhalb der Baumgrenze gab es im Vorjahr so nicht – sie wurde rechtsseitig der alten Strecke neu angelegt und war durch extrem ruppige, Vorderrad-verschlingende Stufen geprägt sowie – aufgrund des nächtlichen Regens – durch bis zu 15 cm tiefen Matsch und entsprechende Spurrillen.

Es sah tatsächlich aus wie Bullenreiten, wenn die Fahrer in diese enge, steile, von Bäumen begrenzte und sehr lange Passage einfuhren…so viele Stürze over the bar, also über den Lenker, haben wir nie zuvor erlebt. Die meisten endeten davon zum Glück glimpflich, aber es war von Anfang an klar: wer diese Passage im Wald meistert und gut durchkommt, wird auf jeden Fall mehrere Sekunden Vorsprung auf die anderen Fahrer herausfahren können.

Im Livestream kann man sich keinen Begriff davon machen, wie steil und technisch diese Passage wirklich war – wir haben heute an dieser Stelle eine Menge Fahrer die Kontrolle über ihr Bike und vor allem ihr Vorderrad verlieren sehen.

Klare Aussage: die DH World Cup Strecke in Fort William ist extrem anspruchsvoll. Gerade deshalb, weil sie so vielseitig ist. Im oberen Bereich oberhalb der Baumgrenze ist sie schnell, hart, mit Kurven aus Brechsand, Boardwalks und ein paar Steinfeldern, in denen man als Zuschauer beim besten Willen keine fahrbare Line mehr erkennen kann (ich hab es beim Zuschauen eine ganze Zeit lang versucht, keine Chance 🙂 ) – im Mittelteil folgen dann die extrem fordernden technischen Sektionen, die ganz klar über die Gesamtzeit des Runs entscheiden – und zuletzt folgt noch der Motorway, dessen hohe Sprünge den Fahrern wiederum Kraft und Konzentration in hohem Maße abverlangen.

Das Rennen begann mit einem sehr guten Run von Hannah, der eine ziemlich lange Zeit auf dem Hot Seat Platz nehmen durfte, bis ihn Laurie Greenland durch seinen genialen und flüssigen Run ersetzte. Danach überschlugen sich so ziemlich die Ereignisse: einige Fahrer zerlegten sich auf den technischen Sektionen, anderen hatten mit Platten oder Kettenriss zu kämpfen – zuletzt zog Troy Brosnan einen sehr sauberen Lauf durch und lieferte die bis dahin beste Zeit ab.

Bis Aaron Gwin ihn in einem kuriosen Run schließlich ablöste – kurios deshalb, weil er ohne den einen Fahrfehler nach der technischen Sektion im Wald eine kaum einzuholende Bestzeit hätte erreichen können…

Von da an hieß es – zittern und bangen fürs YT-Team – aber zuletzt lieferten Jack Moir und dann der Altmeister Greg Minnaar – eine so furiose Show ab, daß Gwin keine Chance mehr auf den ersten Platz hatte. Das, obwohl der mittlerweile einsetzende Regen Minnars Run durchaus hätte beeinträchtigen können.

So ist es also Tatsache: nach 2016 siegt Greg Minnaar, der symphatische Südafrikaner, auch 2017 in Fort William erneut! Es war unglaublich mitreißend, mit anzusehen, wie das gesamte Santa Cruz Team kurz nach dem Einlaufen Minnaars im Zielbereich auf seinen Top-Fahrer zustürmte und diesen voller Begeisterung zu Boden riss. Sekundenlang wurde Minnaar unter einer Meute von Leuten regelrecht vor Freude begraben, bis man ihn endlich wieder Luft schnappen ließ, damit er sich über seinen Sieg freuen konnte.

Es ist natürlich nicht unerheblich, mit was für einem Bike Minnaar gewonnen hat: nämlich mit einem der neuen 29er SC DH-Boliden. Der zudem stolz von einem der Leute des Teams in die Höhe gehalten wurde… unvorstellbar noch vor zwei Jahren – aber es ist mittlerweile nicht zu übersehen, daß auch 29er im DH-Sport ihre Berechtigung haben. Und sicherlich in Zukunft noch mehr haben werden… man wird es sehen.

Fazit des heutigen Tages: es ist einfach irre, bei einem World Cupevent live als Zuschauer dabei zu sein und Fort William mit seiner Wahnsinns-Atmosphäre, den zugleich entspannten und euphorischen Fans und der anspruchsvollen Strecke ist definitiv eine Reise wert.

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So long…. live Chainsaw, naturally! :-)))

Eure Ruhrblick!

 

Fort William Aufbau 2017

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